Soluklan

TECHNIKEN

Lippenbremse

Drei Sekunden durch die Nase ein, sechs Sekunden durch gespitzte Lippen aus. Die Kerntechnik der pneumologischen Rehabilitation und die bei Atemnot am häufigsten empfohlene.

5 Min. Lesezeit

Atme drei Sekunden lang durch die Nase ein. Spitz die Lippen, als wolltest du pfeifen. Atme über sechs Sekunden langsam aus.

Diese Technik kommt von woanders her als die übrigen: nicht aus der Entspannungspraxis, sondern aus der Lungenrehabilitation.

Wofür sie gut ist

Gespitzte Lippen erzeugen beim Ausatmen einen kleinen Widerstand. Dieser Widerstand hält den Druck in den Atemwegen bis zum Ende der Ausatmung leicht erhöht.

Warum das wichtig ist: bei manchen Lungenerkrankungen schließen sich die kleinen Atemwege während der Ausatmung früh und ein Teil der Luft bleibt eingeschlossen. Die nächste Einatmung trifft auf eine Lunge, die schon voll ist, und daraus folgt das Gefühl von Atemnot. Der Widerstand hilft, diese Atemwege bis zum Ende der Ausatmung offen zu halten.

Das ist eine der klarsten mechanischen Begründungen unter den Atemtechniken. Die Wirkung ist kein Gefühl; es geht um die Physik der Luftströmung.

Wo die Studienlage steht

Bei Menschen mit COPD ist verhältnismäßig gut gezeigt, dass sie das Gefühl von Atemnot verringert und die Atemfrequenz senkt; sie ist fester Bestandteil von Programmen der Lungenrehabilitation.

Zur Wirkung bei Gesunden gibt es weniger Forschung. Dass sie die Atemfrequenz senkt und die Ausatmung verlängert, ist sicher — das folgt aus der Definition der Technik.

Die App ist kein medizinisches Werkzeug und bietet diese Technik nicht als Behandlung an. Wer eine Atemwegserkrankung hat, ist bei der Ärztin oder dem Arzt und bei einer Atemphysiotherapie richtig.

Wie sie geht

Entspann die Schultern. Atme drei Sekunden lang durch die Nase ein — die Einatmung geht immer durch die Nase.

Spitz die Lippen wie zum Pfeifen, aber press sie nicht zusammen.

Atme über sechs Sekunden langsam durch die gespitzten Lippen aus. Lass die Luft wie eine dünne Linie gehen. Erzwing nichts, press die letzte Luft nicht heraus.

Häufige Fehler

Die Wangen aufblasen. Blähen sich die Wangen, bleibt der Druck im Mund und erreicht die Atemwege nicht. Lass die Wangen locker.

Mit Gewalt entleeren. Am Ende der Ausatmung die Luft herauszudrücken arbeitet gegen den Sinn der Technik: Drücken schließt die Atemwege früh.

Durch den Mund einatmen. Die Einatmung geht durch die Nase. Durch den Mund wird die Luft weder gefiltert noch angefeuchtet.

Wie die App sie misst

Weil die Ausatmung durch den Mund und gegen Widerstand geht, ist der Ton ausgeprägt. Die Schwellen sind dieselben wie für die Familie der Mundausatem-Techniken.

Worauf die Messung am meisten schaut, ist die Gleichmäßigkeit der Ausatmung: ein ruhiger Atem durch gespitzte Lippen zeigt sehr wenig Schwankung im Schallpegel. Ein abgehackter oder abfallender Ton zeigt, dass die Ausatmung gepresst wird.

Wer aufpassen sollte

Das ist eine der sanftesten Techniken in der App und enthält nicht einmal eine Atempause. Sie eignet sich auch für jemanden, der gerade Atemnot erlebt — genau für solche Lagen wurde sie entwickelt. Wenn das Unwohlsein trotzdem zunimmt, hör auf.

← Techniken